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Schlammvulkane

Rumänien ist eine geologisch recht aktive Region. Das Land wird immer wieder von Erdbeben heimgesucht; meist sind das nur leichte, kaum merkliche Erdstösse, doch wurde beispielsweise im Jahre 1977 die Bukarester Gegend von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht, bei dem 1500 Menschen ihr Leben verloren. Weniger gefährlich, aber dennoch einzigartig auf dem europäischen Festland sind die Schlammvulkane von Berca in der Nähe der Stadt Buzau.

Auf dem Weg zu den im Hinterland vor Buzau versteckten Vulkanen fährt man zunächst durch eine wunderbar einsame, jetzt Anfang April von sonnenverblichenem Heu bedeckte Hügellandschaft und erreicht schließlich schon kurz vor dem eigentlichen Eingang zu dem Naturschauspiel eine sehr merkwürdige, eindrückliche Landschaft. Tiefe, wassergeformte Furchen durchziehen das Gebiet, stellenweise ist die Oberfläche zu dicken Schollen aufgeplatzt und kaum eine Pflanze konnte in dieser unwirtlichen Mondlandschaft Fuss fassen. Dazu bläst ein wirklich heftiger Wind fast ununterbrochen und macht die Wärme der Sonne zunichte, manche Böen reißen uns fast von unseren Füßen.

Wir fahren das restliche kleine Stück bis zum offiziellen Parkplatz und fragen uns, warum man bei den vielen seitlichen Zugängen überhaupt hier Eintritt bezahlen sollte. Zumindest wären wir sehr schnell entdeckt als illegale Besucher, denn wir sind weit und breit die einzigen. Wir bezahlen die fälligen 6 Lei pro Person und bekommen dazu noch den Rat mit, in der Nähe der Vulkane nicht zu rauchen, da entzündliche Gase dort aus der Erde entweichen könnten. Ein Schild am Eingang verbietet auch den Zutritt bei Regenwetter, was mit Sicherheit auch Sinn macht, wie wir später noch sehen sollen.

Ein kleiner Anstieg bringt uns zu den Vulkanen, die zwar höchstens einen Meter hoch sind, aber dennoch sehr beeindruckend vor sich hin sprudeln und gurgeln. Besonders die kleinen, schlammigen Kegel inmitten der von ihnen über die Jahrhunderte geschaffenen, bizarren Landschaft bieten ein wirklich unvergessliches Bild. Tritt man den Öffnungen zu nahe, kann es schon mal sein, dass man knöcheltief in dem Schlamm steckt, der aus ihnen sprudelt. Bei starkem Regen ist vermutlich die ganze Umgebung der kleinen Vulkane kaum zu begehen, da man vor lauter Rutschen und Einsinken nicht vorwärts käme. Der Schlamm ist äußerst feinkörnig und klebrig, fast wie Knetmasse.

Manch ein Kegel erinnert mich an die alte Verfilmung von H.G. Wells "Die Zeitmaschine". Die Eingänge zu dem unterirdischen Reich der Morlocks sehen darin sehr ähnlich aus. Und so höre ich aufmerksam hin, ob nicht doch der monotone Klang ihrer Maschinen zu vernehmen ist.

Bis nach Island muss man sich aufmachen, um Ähnliches in Europa zu sehen. Dies hat sich offenbar herumgesprochen, denn kaum sind wir oben, hält am zuvor völlig verwaisten Eingang ein Bus voller Touristen, die sich kurz darauf ohne Rücksicht auf Verluste im ganzen Gebiet verteilen und sich schnatternd und knipsend zwischen unsere Kameras und die grauen Kegel stellen. Da ans Fotografieren nun nicht mehr zu denken ist, machen wir das Spiel mit und mischen uns unters Volk und versuchen jedes von ihren Erinnerungsfotos mit unserer Anwesenheit ein wenig unvergesslicher zu machen. Da es der Meute schnell zu kalt wird, ziehen sie so rasch wie sie gekommen sind, auch wieder weiter. Wir spendieren einem Hund noch eine ordentliche Portion Futter und setzen unseren Weg fort und geniessen die Ruhe zwischen Schäferhütten und alten Ziehbrunnen.

Auf dem Rückweg nach Buzau über eine abgelegene, ausgewaschene Strecke mit tiefen Spurrillen reißen wir uns den linken Schmutzfänger ab. In der nächsten Zeit fristet der sein Dasein eingepackt im Auto, bis er zu Hause wieder angeschraubt wird.

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