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Traditionen

Mögen für manche Traditionen einen etwas angestaubten Charakter haben, so sorgen sie doch für eine gewisse Berechenbarkeit und Stabilität und für uns jedes Jahr vor den Feiertagen für eine beachtliche Vorfreude.

Neben dem großen Weihnachtsrummel, dem alljährlichen Konsumrausch und "Last Christmas" in der Dauerschleife bedeutet das Ende des Jahres für uns stets erholsame Tage mit der Familie. Es beginnt seit meiner frühesten Kindheit mit dem Besorgen des Weihnachtsbaumes, immer auf den letzten Drücker, am Vormittag des 24. Dezember. Mein Vater und ich verbinden dies mit einer ausgedehnten Fahrt durch das Zabergäu, holen alljährlich die Weihnachtsgans beim selben Bauernhof ab, und kehren pünktlich zum Mittagessen zurück nach Hause, wo bereits meine Mutter eine Krautsuppe mit Ei nach einem alten Rezept der Familie zubereitet hat. Bei Ruths Teil der Familie gibt es traditionell Deftiges aus der rumänischen Küche und gemütliches Zusammensein.

Und ebenso hat es sich mittlerweile bei Ruth und mir eingebürgert, dass wir am ersten Januar des neuen Jahres in den Bregenzerwald aufbrechen und dort einige Tage mit Wandern und Lesen verbringen. Das bringt mich zu einer weiteren Tradition. Denn zu Weihnachten schenkt mir Ruth mindestens ein Buch, das ich stets komplett in den Tagen im Bregenzerwald auslese. Wobei "verschlingen" es wohl besser trifft. Gleichzeitig dienen die Tage der Planung des kommenden Jahres. Wir schauen auf das zurückliegende Jahr, überlegen uns, was gut gelaufen ist und was verbesserungswürdig ist, schmieden Pläne für kommende Projekte und Reisen, wandern dabei durch verschneite Berge und kehren seit Jahren am Abend in dieselbe kleine Pension zurück. Langeweile und Monotonie, könnte man meinen. Für uns aber ein wichtiger Fixpunkt und die Möglichkeit, sich entspannt auf Wesentlicheres zu konzentrieren.

Aber so wie neue Traditionen entstehen, so sterben alte aus. In der kleinen Wirtsstube der Pension treffen sich seit langer Zeit Leute aus dem Dorf zum Kartenspielen. Aber seit Jahren wird die Runde kleiner, erzählt uns der Besitzer. Waren es früher zwölf Leute, verteilt an zwei Tischen, so sind es heute gerade noch vier, die sich an einem Tisch versammeln. Die Alten sterben weg, die Jungen kommen nicht mehr. Traf man sich früher noch nach der Arbeit auf ein Bier und ein Kartenspiel im Wirtshaus, so geht man heute am Abend seiner Wege.

Und auch wir brechen heute mit einer Tradition. Waren die bisher hier verfassten Beiträge ausschliesslich von Ruth und mir, wollen wir auf den in den nächsten Tagen folgenden Bericht hinweisen, der von unserer Freundin Stephanie sein wird. Als Kennerin der russischen Sprache und des Landes war sie uns bereits eine große Hilfe bei der Entstehung unseres Buches "Nordwärts" und verbringt aktuell wieder ein Jahr in Nowosibirsk. Von dort wird sie berichten. Und wer weiß, vielleicht entsteht aus einem Bruch mit der Tradition eine neue.

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