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Vom "Fröhlichen Friedhof"

"Wir haben Fröhlichkeit nötig und Glück, Hoffnung und Liebe." Das hat der eher als unglücklich in Erinnerung gebliebene geniale niederländische Expressionist Vincent van Gogh einmal gesagt. Dann hätte ihm der "Fröhliche Friedhof" in Sapanta, einem kleinen Ort unweit der ukrainischen Grenze, wohl sehr gut gefallen. An Sommertagen strahlen die hölzernen Grabkreuze in einem ganz besonderen Blau, und man kann sich hie und da ein Lächeln nicht verkneifen, wenn man die naiven Darstellungen und die bisweilen sehr ironischen Verse über das Leben der hier Ruhenden näher betrachtet.

In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts begann ein bis dahin unbekannter junger Holzschnitzer mit dem Namen Stan Ion Patras aus Sapanta, die Grabkreuze für den örtlichen Friedhof auf ganz besondere Weise zu gestalten. Bis zu seinem Tod im Jahre 1977 hatte er über 700 dieser Kunstwerke von Hand geschnitzt und angemalt. Nahezu jedes Kreuz zieren ein oder zwei Szenen, die vom Leben und Sterben der Dorfbewohner erzählen, von Bauern und Diplomaten, von Jägern und Säufern. Darunter kann man, wenn man des Rumänischen mächtig ist, teils lustige, teils nachdenkliche Reime lesen, die das Wichtigste aus dem Dasein der Verstorbenen zusammenzufassen versuchen. Einzigartig auf der Welt, hält sich diese in der Maramurescher Volkskunst verwurzelte besondere Art und Weise, mit dem Tod umzugehen, bis heute. Es haben sich andere Holzschnitzer gefunden, die Patras Tradition fortführen.

Seit ein paar Jahren wird die Kirche auf dem "Fröhlichen Friedhof" aufwendig renoviert. Mosaike an den Außenwänden zeigen Darstellungen ähnlich denen auf den Grabkreuzen und ihr Dach erstrahlt in bunten Ziegeln, zum Großteil im für den Friedhof typischen Blau.

Jetzt im August ist Sapanta voller Besucher und die Hauptstraße ein einziger Souvenirstand. Neben Ramsch, den man überall im Land kaufen kann, gibt es hier unter anderem auch die typischen Wolldecken (cergi) oder bestickten Blusen und Trachten. Wir besuchen Vasile und Mirela, die nahe des Friedhofs die Pension Montana betreiben und die wir vor ein paar Jahren hier kennengelernt hatten. Zur Begrüßung und zum Abschied gibt es, wie nicht anders zu erwarten, den selbstgebrannten Pflaumenschnaps, der es in sich hat.

Einen Kilometer vom Ortzentrum entfernt liegt das Peri-Kloster "Sfântul Arhanghel Mihail", das sich an allen Ecken und Enden immer noch im Bau befindet. Was bereits seit einigen Jahren steht ist der mit 75 m höchste Eichenholzbau der Welt. Nach alter Handwerkskunst nahezu ohne Metallnägel erbaut, beherbergt die Holzkirche bereits eine benutzbare Winterkirche im unteren Teil, der obere Abschnitt steht noch leer.

Fährt man nur wenige Kilometer hinaus aus Sapanta Richtung Süden in die nahen Hügel hinein, so ist man schnell weit weg von jeder Siedlung und fährt über kleine Schotterpisten in die Einsamkeit. Nur von ferne hört man die Sägegeräusche von Waldarbeitern. Wir begegnen einem Schäfer, der auf einer nahen Weide sein Lager aufgeschlagen hat; seine Hunde trotten träge an uns vorbei, sie scheinen uns nicht als Bedrohung zu empfinden, zumal ihre Herde nur als kleine weiße Pünktchen am Horizont auszumachen ist. Er beschreibt uns den Weg zu einem nahen Wasserfall, der aber trotz ausgiebiger Suche nicht auffindbar ist. Dennoch macht es großen Spaß, mit unserem Dicken die vielen kleinen Pfade bergauf und -ab zu erkunden.

Als wir weiterfahren Richtung Valea Vaserului sehen wir von ferne noch einmal die gewaltige Holzkirche zwischen den Bäumen aufragen, ein wenig wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

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