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Dracula im Altmühltal

Freunde romantischer Schauerliteratur kennen ihn als blutsaugenden Grafen aus Bram Stokers gleichnamigem Roman von 1897. Dracula ist als DER Vampir schlechthin mittlerweile aus der modernen Popkultur nicht mehr wegzudenken. Entlehnt hat Stoker den Namen und ein wenig auch die Figur aus der rumänischen Geschichte. Vlad II., ein walachischer Fürst des 15. Jahrhunderts, durfte als Ritter des Drachenordens den Beinamen „Dracul“(= Drache) führen. Und sein Sohn, Vlad III., wurde als „Draculea“ bezeichnet, als Sohn des Drachen. Er war jener grausame Herrscher, der seine Feinde pfählen ließ und in Gegenwart ihrer Todesschreie gern gespeist haben soll – und der Bram Stoker, der selbst nie einen Fuß auf rumänischen Boden gesetzt hatte, zu seiner Nachtgestalt inspirierte.

Doch wie kommt Dracula nun ins Altmühltal, eine beschauliche Region im Herzen Bayerns? Die Geschichte beginnt in Rumänien, genauer gesagt in Siebenbürgen, in der Nähe der Stadt Sebes. Etwas außerhalb des Ortes, weithin sichtbar und über eine kleine Piste erreichbar, klafft die Râpa Rosie wie eine große, rostrote Wunde im Grün der sie umgebenden Landschaft.

Von Wind und Wasser geformt und zerklüftet, zeigt die Erde hier ihr Inneres; der Fels ist durchzogen von unzähligen Bändern, jedes für sich ein Kapitel Erdgeschichte.

Hier, inmitten der bis zu 130 Meter hohen Kalksteinwand, fand ein rumänischer Paläontologe 2018 einen gewaltigen Halswirbelknochen. Inzwischen wurden weitere versteinerte Überreste ausgegraben und die Wissenschaftler sind sich sicher: Es handelt sich hier um die Überreste eines gewaltigen Pterosauriers, des größten, den man je gefunden hat. Der Flugsaurier lebte vermutlich vor 66 Millionen Jahren. Seine ledrigen Flügel spannten sich über 14 Meter, und wenn er aufrecht dastand überragte er eine Giraffe. Da er in Transsilvanien aufgespürt wurde und dazu noch in manchem einer riesigen Fledermaus ähnelte, gab man ihm den Spitznamen „D.rex“, mit D wie Dracula. Es ist nicht der erste Fund von Dinosaurierknochen in der Nähe von Sebes. Mátyás Vremir, der Entdecker des D.rex, hatte Jahre zuvor hier bereits den Balaur bondoc entdeckt, einen "pummeliger Drache" genannten, etwa hüfthohen und zwei Meter langen Theropoden.

Neben dem gewaltigen urzeitlichen Flugsaurier gibt es aber im Altmühltal noch einiges mehr zu entdecken. Beim Spaziergang durch den Dinopark wandert man gleichsam durch die Geschichte des unglaublich vielfältigen Lebens auf unserer Erde. Hinter manchem Baum ragt plötzlich ein Urzeitwesen empor, durch das Unterholz kriechen riesige Insekten und der Brachiosaurus, der auf einem kleinen Hügel steht, ist so gewaltig, dass man mühelos unter seinem Bauch hindurchgehen kann.

Das Juragestein des Altmühltals, das einst, vor 150 Millionen Jahren, von einem flachen Meer bedeckt war, ist auch eine bedeutende Fundstätte, wenn es um urzeitliche Lebewesen geht. Hier, und nur hier in der Fränkischen Alb in Bayern, wurden Skelette des Archaeopteryx gefunden, jenes sonderbaren Mischwesens mit Echsenkopf und gefiederten Flügeln, welches evolutionär den Übergang darzustellen scheint zwischen dem Reich der theropoden Saurier und dem der Vögel. Im kleinen Museum des Dinoparks sind gut erhaltene Fossilfunde zu bewundern.

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